Meine Geschichte

Startschuss für die erste Behandlung

Da war er nun. Der erste Termin in unserer gewählten Kinderwunschklinik. Naja, viel Auswahl hatten wir ja nicht. Diese und eine weitere gabs noch in der Umgebung. Wie wir gewählt haben? Hmm, schwierige Frage. Etwas Recherche über Erfahrungen und etwas Bauchgefühl. Was man ja so im Internet liest, unterscheiden sich die Kliniken oder Zentren nicht viel voneinander. Alle haben ein Ziel. Soviel Frauen wie möglich zu schwängern. *lach*

„Kurzes Thema vorab“

Bis zum ersten Termin in der Kinderwunschklinik verging ein Jahr mit erfolglosem Sex nach Plan. Im Nachhinein würde ich jeder Frau, die loslegt schwanger zu werden, empfehlen sich im Vorhinein durchchecken zu lassen. Ich denke mir nun, mit meinem niedrigen AMH-Wert, das es doch besser gewesen wäre, gleich zu Beginn einen Hormonstatus machen zu lassen um einfach keine Zeit zu verlieren. Und auch um keine Nerven zu verschwenden. Denn diesen Status prüfen zu lassen tut nicht weh und man weiß sofort was Sache ist. Zumindest bei einem als Frau.

„Juhuuuu, der erste Termin im Kinderwunschzentrum!“

Am 23. Mai 2018 war es dann soweit. Früh morgens machten wir uns auf den Weg zum Landeskrankenhaus, in der sich das Kinderwunschzentrum eingenistet hatte. „hihi eingenistet“ 
Wir kamen in ein kleines Zimmer, mit einem „Informationspult“ und einer netten Dame die uns begrüßte. 
Und dann kam der erste Schock. Als wir uns setzten und zur Tür blickten, starrten uns diese furchtbar kitschigen „Baby-hallo ich bin auf der Welt-Karten“ an. Ich denke, ihr wisst welche ich meine. Die, auf denen die Babys in schrecklich unnatürlichen Posen einem entgegen „lachen“. Oh mein Gott, wir wurden regelrecht von den ganzen Babyfotos erschlagen. Ich meine, OK, die haben all die glücklichen Mamas gemacht um sich zu bedanken was für ein Wunder die Klinik vollbracht hatte, aber muss das sein? Mal ehrlich, will man wirklich in einem Kinderwunschzentrum, wo man hin kommt weil man nicht schwanger werden kann, so viele Babys sehen? Nö, ich zumindest nicht. Mich deprimierte eher der Anblick als wie das er mich motivierte.
Naja, Babyfotos beiseite. Wir durften uns nach ca. 5 Minuten Wartezeit ins Nebenzimmer an einen Schreibtisch setzen. Das Zimmer war übrigens nicht größer als ein gewöhnliches Schlafzimmer. Direkt neben uns einer dieser Behandlungsstühle. Hmm, war irgendwie ein eigenartiges Gefühl, für mich nicht, aber was sich wohl mein Mann dachte? *schmunzel*

„Mit der ICSI-Methode haben wir die größten Chancen“

Anschließend kamen ein Arzt, sehr sympathisch, und seine Assistentin, weniger sympathisch, herein und stellten sich vor. Da er schon die Befunde (Hormonstatus und Spermiogramm) vorab von uns hatte, kam er gleich zum Punkt. „Mit diesen, nicht ganz so guten Befunde, würde ich nur eine ICSI vorschlagen. Damit sind die Chancen am größten.“  Tja, das war wohl die schnellste Erkenntnis die wir in den letzten Monaten bekamen. Er erklärte uns, das die unbeweglichen Spermien meines Mannes wahrscheinlich keine Eizelle finden würden. Und abgesehen davon, kann man nicht sagen, wieviel und ob ich überhaupt ohne Hormonzugabe Eizellen produziere.
Somit würde mit künstlichen Hormonen meinem Körper geholfen werden Eizellen zu produzieren, diese würden dann entnommen und im Glas wird anschließend DIE eine Spermazelle direkt in meine Eizelle iniziert werden. Mit dieser Methode wäre die Chance, eine befruchtete Eizelle zu bekommen, am größten. Und bezüglich meines niedrigen AMH-Wertes, der leider bei nur 0,14 liegt (weit unter dem Normalwert), riet unser Arzt uns nicht länger zu warten.

Ach herje, noch mehr Druck! Meine biologische Uhr tickt doch schon so laut, jetzt tickt sich auch noch schneller. Mein Mann und ich sahen uns an und meinten anschließend doch sehr zügig: „Wann können wir loslegen?“ Der Arzt wirkte überrascht und doch erfreut, das wir uns binnen in Sekunden entschieden hatten. Naja, mal ehrlich, man entscheidet sich doch nicht für diesen riesigen Schritt um dann doch den Schwanz einzuziehen? NEIN, wir wollten dahin, um gleich loslegen zu können. Über die Kosten machten wir uns, vorerst, keine Gedanken. In Österreich besteht ein Fond, der bei den ersten vier Versuchen knapp 70 % der Kosten übernimmt. Also war es nicht ganz soooo viel. Mit knapp 1.100 Euro mussten wir pro Versuch also rechnen. „Ach Gott, was macht man nicht alles für ein Baby?“
Nach einer kurzen und knappen Erklärung über die weitere Vorgehensweise, bekamen wir anschließend einen ausgedruckten Vertrag und zwei Überweisungsscheine, einen für meinen Mann und einen für mich. Auf den Überweisungsscheinen standen jede Menge Werte, die wir anhand von einer Blutprobe beim Hausarzt prüfen lassen sollten.

Gesagt getan! Da ich ja keine Geduld besaß, rief ich am selben Tag noch bei meinem Arzt an, um so schnell wie möglich einen Termin zu ergattern. Denn sobald wir die Befunde hatten, konnten die Ärzte im Kinderwunschzentrum loslegen um einen Behandlungsplan zu erstellen.

Es ging so unerwartet schnell, doch Zweifel kamen niemals auf. Und das werte ich als bestes Zeichen. „Wär ja auch blöd gewesen, wenn plötzlich doch Zweifel aufkämen!“ Ich muss allerdings sagen, das man doch, und das las ich sehr oft in den Kinderwunsch-Foren im Internet, sehr wenig aufgeklärt wird. Man fühlt sich, leider, eher wie eine Nummer als wie eine Frau die nicht schwanger werden kann und mit jeder Menge Gefühle zu kämpfen hat. Ich weiß, die in der Klinik haben solche Frauen tagtäglich, aber für jede Einzelne ist das ein unglaublich großer Schritt den sie da wagt. Ich bin ein Mensch, der immer genau alles wissen möchte, also recherchierte ich sehr viel im Internet um mich über das ganze Thema künstliche Befruchtung zu informieren. So war meine Wissbegierde gestillt und konnte beruhigt auf den nächsten Termin hinfiebern.

„Der Behandlungsplan“

Ich war so aufgeregt. ENDLICH ging es los. Mit Infos, der Pille, den Hormonspritzen. Diesmal ging ich alleine zu dem Termin, was ich später merkte keine so gute Idee war, denn ich war nach diesem Termin total überfordert mit dem wann, wieviel, und wie spritzen. *lach*
Da waren wir, die, nicht ganz so sympathische, Assistentin und ich. „Wo war der Arzt?“ fragte ich mich. Naja, die Frage löste sich schnell in Luft auf, da ich zu nervös war. Auf dem Tisch lagen schon die Hormonpreparate inkl. Fertigspritzen, einem Spritzen-Pen und die Pille (Marvelon). „Hä, die Pille? Was soll das denn jetzt?“ Ich wollte doch schwanger werden und nicht verhüten.

Ich sollte einen Zyklus lang die Pille nehmen, um meine Eierstöcke zu beruhigen und um Zysten zu vermeiden. „OK, alles klar, weiß ich Bescheid.“ Und zusätzlich konnte das Kiwu-Team natürlich den genauen Zeitpunkt festlegen, wann ich anschließend mit den Spritzen beginnen kann. 
Sobald ich nach Absetzen der Pille meine Tage bekam, sollte ich anrufen und mit folgendem beginnen:

  • Decapeptyl Fertigspritzen / 1x täglich / morgens: Diese sind dafür gedacht, um den vorzeitigen Eisprung zu verhindern.
  • Puregon / Pen / 300 Einheiten / 1x täglich / morgens: Diese wiederum war für die Produktion der Eizellen zuständig, sodass mein Körper, hoffentlich, ordentliche Follikel produziert in denen auch brauchbare Eizellen heranreiften.

Puh! 2 Spritzen täglich. Für mich war im Vorhinein klar, das mein Mann mir diese geben durfte. Mein Mann konnte eigentlich in der ganzen Behandlung nicht wirklich helfen oder was tun, außer die schlechte Laune von mir ertragen und zusehen wie mich die Hormone verändern und mir bei fast jedem Termin wieder untenrum einer reinschaut. *lach* Also übergab ich ihm diese Aufgabe, somit konnte er auch etwas, außer sein Sperma natürlich, dazu beisteuern. Ist ja auch ein Weg, den wir gemeinsam gehen!

Für die Anwendung der Spritzen bekam ich ein „you-tube-video“ gezeigt. „Ernst jetzt?“ Die Assistentin machte sich nicht mal die Mühe mir das zu erklären. Nein, sie zeigte mir ein Video. Naja, Hauptsache ich bekam eine ausführliche Erklärung, wie ich, besser gesagt mein Mann, mir jeden Tag eine Spritze reinjagen soll.
Das Video hatte alle Informationen, die man als „Spritzenneuling“ brauchte. Im 90 Grad Winkel, in die Bauchfalte, usw.

Mit viel Motivation, einer ordentlichen Portion Vorfreude, der kompletten Handtasche voller Spitzzeug und der Pille, verließ ich die Klinik. Ich fühlte mich wie ein Drogenkurier. Klingt das düster, wenn ich sage, das es ein tolles Gefühl war? *schmunzel* Es war ein schönes Gefühl, endlich einen Schritt weiter zu kommen. Dem Ziel etwas näher zu sein. Irgendwie auch schräg, ein Glücksgefühl zu haben, wenn man wusste, sich täglich zwei Spritzen in die Bauchfalte jagen zu müssen. Aber ich denke, all die Mädls, die in der selben Situation sind, wissen genau von was ich hier spreche, stimmts?

Somit war der Startschuss gefallen!!! Jetzt benötigte mein Körper „nur“ noch jede Menge Hormone und ganz viel Glück.

Eure Naddy


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