Erste ICSI

Die Stimulation

Es ging um jeden Millimeter!

Der Tag, an dem wir mit den Spritzen beginnen durften/konnten (11.07.18), kam doch schneller als angenommen. Nachdem ich einen Monat lang die Pille zur Beruhigung meiner Eierstöcke genommen hatte, kam drei Tage nach dem Absetzen die „rote Tante“ zu Besuch. Auf diesen Besuch freute ich mich diesmal ganz besonders. *lach* An dem Tag rief ich in der Klinik an um sie zu informieren und ich konnte dann am zweiten Zyklustag mit der Fertigspritze Decapeptyl beginnen. (Diese sollte den vorzeitigen Eisprung verhindern)
Es war Abend und mein Mann packte vorsichtig die Fertigspritze aus und ich machte mir fast in die Hose als ich die Nadel sah. Er nahm meine Bauchfalte, ich kniff mit aller Kraft meine Augen zusammen und dann…  „Stop, warte, ich bin noch nicht bereit!“ Es benötigte ein paar Versuche bis er endlich zustechen durfte. Gott, war ich ein Schisser. Diese Vorstellung, wie die Nadel durch meine Haut gestochen wird, war grauenvoll.
Zack, und drinnen war sie. Es tat nicht weh, es war etwas unangenehm und als er die volle Dosis drinnen hatte, kam ein kurzes Brennen. Naja, war dann doch nicht so schlimm als ich dachte und meine Hose blieb trocken. *schmunzel* Zum Glück, denn da kamen ja noch ganz viele Spritzen.
Ab dem dritten Zyklustag ging es los mit 1x täglich, immer morgens, eine Decapeptyl Fertigspritze und eine Dosis mit 300 Einheiten Puregon. Diese war etwas einfacher zu bedienen, da dies mit einem Pen gemacht werden konnte. Hierzu musste man nur eine Ampulle einlegen, die Dosis einstellen, im 90 Grad Winkel reinstechen und den Knopf runterdrücken. Nach zwei, drei Spritzen war mein Mann schon wie ein Profi. 🙂

Nach einer Woche, also am 18. Juli durften wir dann zum ersten Mal zum Ultraschall um nachzusehen, ob das Medikament anschlägt und meine Follikel ordentlich wachsen.

„Eine Aussage, die mich zum weinen brachte“

Ich ging alleine zu dem Termin, was definitiv ein Fehler war. Es war ein sehr kurzer Termin. Ich kam gleich dran, durfte mich anschließend auf den tollen Behandlungsstuhl setzen und der Arzt machte einen Ultraschall. Er schien nicht so ein zufriedenes Gesicht zu machen, welches ich mir gewünscht hätte. Er meinte kurz zur Assistentin: „Zwei Follikel, 7 und 8 Millimeter“ Ich war etwas irritiert, da er anschließend den Raum verließ und mich mit der Assistentin alleine ließ. Diese erklärte mir, leider sehr trocken und unfassbar unsensibel, das wenn diese zwei Follikel nicht bis darauffolgenden Montag weiterwachsen würden, müssten wir abbrechen, da sie nach einer Woche Stimulation nicht die gewünschte Größe erreicht hatten. Darauf hin meinte sie noch: „Ach, und dann müssen wir schauen ob sich überhaupt ein zweiter Versuch lohnt! Und sonst kommt nur noch die Eizellenspende infrage.“
Ich war schockiert, wollte sofort losheulen. Was redet die da für einen Scheiß? Eizellenspende? Wie unsensibel ist diese unsympathische Dame da eigentlich? Das war gerade mal der Beginn des ersten Versuchs und sie redete schon von Eizellenspende. Was soll das? 
Nach einem kurzen Blick in ihren PC sagte sie dann: „Ach, du bist ja erst 33, da können wir dann in zwei oder drei Monaten doch noch einen Versuch starten!“ Wie jetzt? Ich war völlig perplex. Dieser Tonfall, den sie hatte war unmöglich. Ich ging aus der Klinik und war völlig von der Rolle. Sagte sie mir da gerade, wenn meine Follikel nicht weiterwachsen, gäbe es nur eventuell einen zweiten Versuch? Ich blickte absolut nicht mehr durch. 
Ich fuhr zur Arbeit und als mich meine Arbeitskollegin fragte ob alles OK wäre (sie wusste übrigens nicht das ich in einer Kinderwunschbehandlung stecke) und ich brach in Tränen aus. Ich verlor völlig die Fassung. Und dann noch in dieser Verfassung lügen zu müssen, war schrecklich. Ich wollte nur noch nach Hause.

„PAH! Meine Follikel haben es der aber gezeigt!“

Am darauffolgenden Montag (23.07.18) war der nächste Ultraschalltermin. Diesmal war mein Mann dabei und plötzlich war die Assistentin nicht mehr ganz so unsensibel und ich fühlte mich ein ganzes Stück sicherer. „Hihi, war sie etwa von meinem Mann etwas eingeschüchtert?“
Auf dem Stuhl dann die tolle und sehr aufmunternde Nachricht: „Ihre Follikel sind etwas gewachsen. Sie sind nun 9 und 10 Millimeter groß.“ JUHU, meine Follikel sind die Geilsten! *lach* Sie hatten zwar immer noch nicht die Größe, die sie zu diesem Zeitpunkt haben sollten, aber genug um es weiterzumachen. Somit machte uns der Arzt wieder große Hoffnung und gab uns nur die Anweisung: „Weiterspritzen und wir sehen uns in zwei Tagen wieder.“

„Bangen um jeden Millimeter.“

Wir bangten und hofften um jeden Millimeter. Mir kam der Gedanke, wie doch andere Frauen „einfach so“ schwanger werden, die nicht mal exakt wissen was da alles im Körper passiert, das dieses Wunder geschieht. Die nicht mal ansatzweise wissen, wann ihr Eisprung ist oder wie lange eine Einnistung dauert. Und wir sitzen hier und beteten um jeden Millimeter. Es war ein komisches Gefühl. Es fühlte sich alles so technisch, so medizinisch an. Es war nicht dieses „So, jetzt haben wir leidenschaftlich Sex und dann entsteht ein Baby“. Nein, man sah die ganze Prozedur wie eine Art medizinisches Experiment, eine Studie, bei der man mitmachen durfte und der Gewinn war dann (hoffentlich) ein Baby. 

Zack, schon waren die zwei Tage vergangen und wir saßen wieder in der „Baby-Produktionswerkstatt“. Diesmal hatten wir schon 11 und 12 Millimeter erreicht. „Wow, was für ein Sprung. Ein kleiner Schritt für die Follikel, ein großer Schritt für uns!“ Kurz und knapp: „Kommen sie in zwei Tage nochmal und dann entscheiden wir, ob nächsten Dienstag eine Eizellenentnahme stattfinden kann.“

Freitag. 15 Millimeter. Punktion, nächsten Dienstag. Die Freude war groß, die Ungeduld hatte sich etwas beruhigt, die Anspannung ließ nach und meine Follikel hatten Zeit bis Dienstag um auf die gewünschte Größe zu wachsen. Alles wird gut! 

Eure Naddy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.