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Freund oder Feind?


Wie ich eine Freundin gewann und durch ihre Schwangerschaft und meinen Neid wieder verlor.

Ich erzähle euch nun die Geschichte, als eine direkte Arbeitskollegin, die ich in sehr kurzer Zeit als Freundin gewann, sie dann schwanger und mir der Boden unter den Füßen weggerissen wurde. Meine Geschichte über Trauer, unerträglichem Neid, schlechtem Gewissen und Selbstverurteilung.

„März 2017: Neue Arbeitskollegin wird zu meiner Freundin“

Wir bekamen in der Firma eine neue Kollegin. Wir verstanden uns auf Anhieb mega gut, wurden schnell Freunde, hatten den selben Humor und lachten sehr viel. Wir erzählten uns schnell sehr private Dinge. Zwei Monate, nachdem sie zu uns gekommen war, erzählte ich ihr auch von meinem großen Wunsch und das ich die Spirale entfernen lies und wir begonnen haben, uns diesen Wunsch zu erfüllen. Im Gegenzug wusste ich auch von ihr, das sie sich seit einiger Zeit auch ein Baby wünschen würde, dies sich aber aus diversen Gründen hinausgezögert hätte. Mir tat es so unfassbar gut, mich auch in der Firma jemanden anvertrauen zu können. Ich vertraute ihr, voll und ganz.

„Sie ist schwanger und mir zog es den Boden unter den Füßen weg!“

Doch als sie mir erzählte, das sie im Dezember 2017 auch „starten“ möchte, wurde mir schlagartig unwohl. Wir waren nun schon knapp über einem halben Jahr beschäftigt mit „Sperma trifft Eizelle“, aber ohne Erfolg und das zehrte sehr an den Nerven.
Sie war dann über Weihnachten/Silvester 2017/2018 im Urlaub und einen Monat darauf erzählte sie mir im Büro sie sei schwanger.
UFF! Mir fehlten die Worte. Ich spürte wie sich in Sekunden ein riesen Klos im Hals entwickelte, ich schwer Luft bekam, meine Augen sich mit Wasser füllten und ich in diesem Moment einfach nur schreien wollte.
Ich brachte nur ein kurzes „hey, cool“ heraus. Mein Verstand sagte mir „heeeey freu dich doch für sie, sie ist schwanger. Das ist so was Schönes!“. Aber mein Herz setzte aus, war außer sich, war vollgepackt mit grausamen Gedanken, mit Trauer, Neid, dem Gefühl von „ihr es nicht gönnen“. Es war schrecklich. Als sie bemerkte, das ich kurz davor war in Tränen auszubrechen, verstummte sie und ich sagte nur „entschuldige bitte, ich brauche einen Moment.“

„Warum macht sie das? Warum sie und nicht ich? Das waren meine Gedanken.“

Aber für was genau brauchte ich einen Moment? Um mich zu sammeln, um sie anschließend mit voller Freude zu umarmen und ihr meine herzlichen Glückwünsche auszusprechen? Um nun die Freundin zu sein, die ab dem Zeitpunkt mit ihr Babyklamotten aussuchen geht, mich mit ihr gemeinsam über Schwangerschaftskram austausche? NEIN!!! Das Spiel spiele ich nicht mit. Zumindest mein Herz macht da einfach nicht mit. Mir gingen die restliche Arbeitszeit von einer Stunde unendlich viele Sachen durch meinen Kopf und ich schien irgendwie apathisch zu sein.
Warum kann ich mich nicht freuen? Warum sie? Warum ich nicht? Warum jetzt? Warum tut sie mir das an? Warum macht sie das? Oh Gott, ich werde sie jeden Tag sehen! WARUM??? Ja, genau solche Gedanken umkreisten mich. Mein Verstand wusste genau das das nichts damit zu tun hat, das ich nicht schwanger werde. Das sie ABSOLUT nichts für meine Lage kann, aber trotzdem stellte sich mein Herz quer und es fühlte sich so an, als hätte sie es absichtlich getan. Diese Gefühle waren so grausam. Ach Gott, ich hasste mich dafür, ich hatte gleichzeitig diesen Neid und ein schlechtes Gewissen in mir.

„Was sollte ich jetzt tun?“

Ich packte um Punkt 17.00 Uhr mein Zeug zusammen, stürmte mehr oder weniger aus dem Büro und brach, als ich draußen war, in Tränen aus. Ich setzte mich ins Auto und schrie. Ich fuhr los und konnte nicht mehr aufhören zu heulen. Ich wusste, es würde hart werden, sollte sie vor mir schwanger werden, aber das es mich so hart trifft? Das hatte mich doch etwas überrumpelt, überrascht und auch total irritiert.
Es war unerträglich, ich würde sie jeden Tag sehen, jeden Tag, an dem wahrscheinlich Arbeitskollegen alles über ihre Schwangerschaft wissen wollen. Jeden Tag, an dem ich sehen würde wie ihr Bauch stetig wächst. Jeden Tag, an dem ich sie ansehen und es mich nur an meinen unerfüllten Kinderwunsch erinnern würde. Was sollte ich nun tun? Kündigen? Mich krankschreiben lassen? Sie ignorieren? Falsche Freude vorspielen?
Nein, das waren keine Optionen. Aufgeben? Den Kopf in den Sand stecken? Nein, ich wusste, ich werde das irgendwie überstehen. Es war zum Glück ja eine begrenzte Zeit. Naja, ein halbes Jahr, bis sie in den Mutterschutz ging war doch etwas lange. Ich dachte mir, das ich bestimmt nur etwas Zeit brauchen würde und dann würde ich mich bestimmt für sie freuen und alles wäre wie am Anfang.

Nach ca. zwei Wochen, musste ich ihr eine Nachricht schreiben, ihr mein Verhalten erklären. Ich wollte doch nicht das unsere Freundschaft kaputt ging. Also schrieb ich ihr, das ich einfach etwas Zeit bräuchte. Sie mir diese bitte geben sollte und das es mir schrecklich leid tun würde das ich so still geworden bin. Das ich absolut nicht erwarten würde, das sie mich versteht, aber mir einfach ein wenig Zeit geben sollte. Und das ich bestimmt bald die Alte sein werde und mich riesig für sie freuen würde. Kaum losgesendet, kam auch schon die Antwort. Sie würde mich verstehen und mir diese Zeit geben.

„Diese Freude kam leider nicht!“

Die Zeit der Freude stellte sich nicht ein. Es verging ein Monat und ich war total in mich gekehrt. Ich ignorierte sie zwar nicht, aber ich sprach auch nicht mit ihr, solange es nicht um die Arbeit ging. Ich kam, arbeitete, riss mich zusammen und ging wieder nach Hause, vollbepackt mit Trauer und jeder Menge Fragen.
Eines Tages, abends, bekam ich eine Nachricht. Von ihr! Uff, will ich das wirklich lesen? Naja, vielleicht möchte sie mir einfach einen Rat geben oder mich etwas trösten.
ZACK! Da kam der Dämpfer. Sie schrieb, das sie mich bis zu einem gewissen Grad verstehen könne, aber nicht mein Verhalten ihr gegenüber. Ich solle doch meine Wut nicht an ihr auslassen. Mein Verhalten hätte nichts in der Arbeit verloren.
Bitte was?! Las ich da richtig???? Ich war so wütend. Sagte sie mir doch noch vor zwei Wochen, sie würde mir Zeit geben um das zu verarbeiten und das sie mich doch verstehen könne. Was soll das? Ich war ja nicht unhöflich oder böse zu ihr, ich sprach einfach nur nicht viel. Ich ließ doch nicht meine „Wut“ an ihr aus. Im Gegenteil. Ich versuchte ruhig zu bleiben, eben nicht mich bei ihr auszukotzen. Es war so unfassbar hart. Ich fühlte mich so verurteilt. Wie ein Unmensch.

Ich verstand allmählich, das SIE mich definitiv nicht verstehen konnte. Schade eigentlich, denn mit dieser Nachricht, gab sie mir das Gefühl, schlecht zu sein und das mein Verhalten falsch wäre. Aber mal ehrlich, wie konnte ich auch in kurzer Zeit dies verarbeiten. Kaum war ich zu Hause um zu versuchen meine Gedanken zu ordnen, war ich am nächsten Tag schon wieder bei der Arbeit und das Chaos in meinem Herzen ging wieder von vorne los. Ich bat sie nur um etwas Zeit, die sie mir nicht geben konnte. Aber warum nicht? Gerade sie, die seit Jahren diesen Wunsch hatte, endlich loslegen zu können. Für sie, der es auch zum Teil schwerfiel sich übertrieben zu freuen wenn, wieder einmal, einer ihrer Freundinnen schwanger wurde. Ich verstand einfach die Welt nicht mehr. Ich konnte doch nichts für meine Gefühle.

Die Monate vergingen und ich konnte ihr einfach nicht verzeihen. Ich konnte ihr nicht verzeihen, das sie es nicht akzeptieren konnte das ich Zeit benötigte. Die Situation in der Arbeit wurde immer unerträglicher, aber ich hielt durch. 
Heute ist sie nun endlich im Mutterschutz und ich konnte etwas durchatmen. Es war schrecklich, ständig das Gefühl zu haben, man sei ein Unmensch. Aber ich habe gelernt, das diese Gefühle, die ich hatte, mich nicht zu einem Unmensch machten. Im Gegenteil. Sie machten mich einfach nur menschlich. 

„Eines möchte ich euch mitgeben.“

Liebe Kinderwunsch-Mädls. Ich sage euch nun eines: IHR DÜRFT DIESE GEFÜHLE HABEN!!! Es ist weder falsch noch schlecht. Diesen Neid zu verspüren ist eines der normalsten Gefühle überhaupt. Lasst euch bloß nichts von eurem Umfeld oder der Gesellschaft einreden. Niemand kann was für seine Gefühle. Und wenn wir durch so eine Geschichte nun mal Wut, unerträglichen Neid oder eben keine Freude verspüren, dann ist das verdammt noch mal OK!!! Wir sind auch nur Menschen. Und die Personen, die NICHT in derselben Situation stecken, können das einfach nicht verstehen. Was aber auch OK ist! Wir dürfen uns auch nicht Verständnis erhoffen, aber wir haben das Recht Akzeptanz, für etwas Zeit, zu erwarten. Denn wie heißt es so schön? „Die Zeit heilt alle Wunden!“

Eure Naddy

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