Meine Geschichte

Der Weg wird länger und länger

Die letzten Monate: 4 Hormonstatus, 348 Tränen, 3 Verzweiflungen,
2 Panikattacken, 483 mal die Frage nach dem „Warum?“,
14 Hoffnungsschimmer, 165 gutgemeinte Ratschläge, 3 Freudenausbrüche
und immer noch kein bisschen schwanger.
……….

Ich sitze nun hier auf unserem frisch gepimpten Balkon, an einem sonnigen Sonntag im Juni und denke über die letzte Zeit nach. Über die Zeit nach der letzen ICSI im August 2018. Es ist nun fast schon ein Jahr her und ich bin immer noch nicht schwanger. Letzten Sommer saß ich auch hier auf unserem Balkon und dachte mir solch Dinge wie „das könnte nun der letzte Sommer zu zweit sein!“ Und das Schicksal? Das fiel, wieder einmal, lachend vom Stuhl.

……….

„Was nach der letzten ICSI passierte“

Ich war nach dem negativen Test (https://www.herz-gegen-verstand.at/2018/10/28/test-negativ/) immer noch etwas apathisch, kam nicht in die Gänge, konnte es nicht fassen, nicht glauben und „zack“ kam der nächste Dämpfer. Nachdem ich unserer Klinik eine Mail mit der Nachricht vom negativen Test schrieb, bekam ich die Antwort das wir nun erstmal zwei Monate pausieren sollten, um den Eierstöcken eine kleine Erholung zu gönnen. „Erholung? Ich bin doch erst 34, warum zum Teufel brauchen da meine Eierstöcke schon eine Erholung?“. Anschließend würde dann noch einmal ein Hormonstatus gemacht. Na prima, schon wieder warten. Als wie wenn wir nicht schon lange genug warteten. Wenn wir für jeden Tag, den wir warteten, Geld bekommen würden, … pfff
Ich hatte gehofft wir könnten gleich wieder mit der Stimulation weitermachen. Aber die Hoffnung war wieder einmal eine weitere Seifenblase die geplatzt war. Wann hat das endlich ein Ende?

……….

„Zwei Monate später“

2. Oktober 2018: Ich bekam das Ergebnis des erneuten Hormonstatus. Schock!!! Der ergab das meine Eierstöcke komplett „ausgequetscht“ waren und einen Anti-Müller-Hormon-Wert, kurz AMH, von nur mehr 0,06 vorhanden war. Vor der ICSI war er auch schon bei beschissenen 0,14, aber doch noch etwas mehr. 0,06 war zwar nur eine Zahl, nur ein Wert, aber er brachte mich zum heulen, zum verzweifeln, denn ich dachte das die künstlichen Hormone nun meine Eierstöcke komplett in den Sand gesetzt hatten und diese nun absolut frei von Motivation waren. Der Arzt meinte, das es so unmöglich wäre sofort eine weitere ICSI zu starten, denn mit diesem niedrigen AMH würde vielleicht nicht mal ein Follikel heranreifen. Also durften wir nochmal zwei Monate pausieren. „Wenn ich noch einmal das Wort „pausieren“ höre, kotze ich im Dreieck, nein sorry, im Sechseck.“

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„Es folgten drei weitere Hormonstatus“

20. Dezember 2018: Blutabnahme und Hormonstatus. Wir hofften soooo sehr das sich das AMH irgendwie um ein klein wenig verbesserte um eine weitere ICSI starten zu können.
Ich nahm in der Zwischenzeit DHEA, das meinen AMH etwas in die Höhe schnellen lassen sollte. Und BÄÄÄM das tat er auch. Von 0,06 auf 0,10. Ein kleiner Schritt für das AMH, ein großer Schritt für mein Gemüt. *schmunzel* Naja, ich weiß nicht wirklich ob es an dem DHEA lag. Ich war trotzdem sehr froh das er sich wieder langsam erholte. Doch wir mussten weiter warten, denn der Arzt wollte den Wert vor der ersten ICSI erreicht haben um eine bessere Ausbeute zu erlangen. „Los, AMH, gib Gas!“

05. Februar 2019: WOW, der AMH-Wert stieg auf sage und schreibe 0,26. Ich war total aus dem Häuschen. Wie kann das sein? Ein besserer Wert, als vor der ICSI. Doch die Freude durfte leider (wieder einmal) nicht lange bleiben. Dieses AMH bekam definitiv zuviel Aufmerksamkeit von mir.

04. März 2019: Diesmal war er wieder gesunken. Auf 0,16, also fast der Ursprungswert vor dieser ICSI. Oh mein Gott, die Euphorie und Freude war doch so groß und wir wurden wieder einmal auf den Boden zurückgeholt. Und zwar ziemlich fies.
Ich klammerte mich wie bescheuert an diesen einen Wert, wobei nur dieser Wert alleine nicht ausschlaggebend ist. Mein Verstand wusste das natürlich, doch mein Herz trotzte dagegen. Aber trotzdem legte ich all meine Hoffnung in diesen einen Wert, als ob mein Leben davon abhinge. Irgendwie gab es für mich entweder die totale Euphorie oder die totale Hölle und Verzweiflung. Ich konnte es nicht einfach neutral sehen und das machte es so schwer. Ich war so unfassbar müde. Müde von dem ganzen Auf und Ab.

Ich hatte schlichtweg keinen Bock mehr. Monat für Monat diese Hoffnung und diese Schwerelosigkeit. Das man einfach nicht wusste WANN es weiter geht. Ich wurde immer wütender, immer frustrierter und machte mir ständig Gedanken über das, ob mit so einer Stimmung überhaupt ein Kind entstehen sollte. Manchmal hat man einfach das Gefühl das mit einer Schwangerschaft alle „Probleme“ verschwinden würden. Kennt ihr das? Man schwebt in der Luft und in einigen Momenten ist alles scheiße. Und was denkt man in so einem Moment? „Eine Schwangerschaft würde alles besser machen!“ Nein, es würde diesen Wunsch erfüllen, aber ich denke das bestimmt mit einem Baby neue Herausforderungen kommen bzw. auch neue „Probleme“. Es wäre nicht die Lösung für Etwas, es wäre einfach nur die Erfüllung unseres größten Wunsches. Punkt.

……….

„Und dann kam sie doch noch: Die gute Nachricht“

Und nach laaaanger Warterei, kam dann doch noch eine gute Nachricht. Wir bekamen für den 22. März (zwar vorerst „nur“ einen Kontrolltermin) einen Termin in der Klinik um einen Ultraschall zu machen. Dort würde gecheckt werden, ob zB. Zysten vorhanden sind. Sollte alles OK sein, dürften wir im darauffolgenden Zyklus wieder starten. Wir waren glücklich, aber die Euphorie hätte ruhig einen Tick größer sein können. Dennoch: Es war wieder ein kleiner Schritt, mit dem es weiterging.

………

„22.03.19 – Das langerhoffte OK“

22. März 2019: ENDLICH, endlich bekamen wir das langersehnte OK. Und es kam noch besser. Im Ultraschall sah mein Arzt doch tatsächlich (Zyklustag 21) ein 18 mm großer Follikel. Waaaaas? Ich war völlig perplex. Da hat es mir aber mein Eierstock ordentlich gezeigt. *lach*
Darauf hin bekam ich gleich eine Auslösespritze verpasst und eine Aufforderung zum „Wochenend-Sex“ gab es noch obendrauf. *lach*
Der Arzt meinte also, wir sollten dies nutzen. Sollte ich dann nicht schwanger werden, dürfte ich mich am Zyklustag 1 wieder melden. Anschließend bekam ich noch die erste Ladung Spritzen mit nach Hause, eben für den Fall das es nicht klappen sollte. Sicher ist sicher.

Somit wussten wir, wenn der „Wochenend-Sex“ nicht zum Ziel führen würde, dann würde es vielleicht die nächste ICSI tun. 🙂

In diesem Sinne: Versucht wieder mehr eurem Körper zu vertrauen. Der weiß schon was er tut.

Eure Naddy

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