Allgemein

Kinderwunsch – Ja? Nein? Vielleicht?

……….

„Warum bei mir der Kinderwunsch erst mit Anfang 30 auftrat“

Wie war das bei euch? Kam der Kinderwunsch plötzlich oder war er schon immer da? Kam er früh oder doch erst mit dem richtigen Partner? Bei mir kam er „plötzlich“. Ich wollte eigentlich niemals Kinder. Ich zog mit 18 Jahren aus und musste mir von nun an mein Leben selbst finanzieren. Das war nicht einfach, denn ich hatte gerade mit meiner ersten Ausbildung begonnen, wenig Geld, einen Freund den ich mitfinanzierte, war nicht gerade die Sparsamste und musste somit jeden Cent zweimal umdrehen. Und da hatte ich nicht mal annähernd den Gedanke, das ich irgendwann mal ein Baby möchte. Im Gegenteil. Ich mochte keine Kinder. Sie waren mir zu laut, zu teuer und sie raubten doch den Eltern jeden Nerv und jede freie Minute. *lach*

Doch dann, dann kam mein jetziger Mann und ich krempelte meine Einstellung zu Kinder um. Ich hatte plötzlich das wundervolle Gefühl von „angekommen sein“. Kennt ihr das? Ich fühlte mich einfach das erste Mal mit einem Partner richtig angekommen, geborgen und sicher.
Und mit diesem Gefühl war ich plötzlich bereit diesem Wunsch, nach einem Baby, Raum zu geben. Wir sind zufrieden, wir haben beide einen Job der uns Spaß macht, keine Geldsorgen, eine Eigentumswohnung mit 4 Zimmer, eine wundervoll harmonische Beziehung ohne Streit, hatten uns „ausgelebt“ und genügend Liebe, um davon einen großen Teil abgeben zu können. 🙂 Quasi eine „gute Grundlage“, wie man so schön sagt. *schmunzel*

Der Kinderwunsch trat also „plötzlich“ ein und überraschte mich, wie auch mein Umfeld. Ich wollte das aus unserer Liebe mehr entsteht. Das unser Leben einen neuen Weg einschlug. Wir daran wachsen können. Wie man das eben so macht. Man findet den richtigen Partner, heiratet und bekommt Kinder. Wie von der Gesellschaft so vorgesehen, oder?

……….

„Warum ein Kind?“

Ganz klar bin ich der Meinung, das an erster Stelle der Urinstinkt steht. Ich glaube das jede Frau diesen Urinstinkt, Kinder zu bekommen, in sich hat. Nur eben, bei den einen „bricht“ dieser Urinstinkt sehr früh, etwas später oder plötzlich aus, oder aber auch gar nicht. Auch das gibt es.
Durch Kinder entdeckt und sieht man die Welt aus einem neuen Blickwinkel. Ich denke und hoffe aber auch, das ich mich dadurch weiterentwickle und neue Erfahrungen sammle.
Sandy Urban, ein Kinderwunsch-Coach (https://www.sandyurban.com), die ich durch Instagram kennengelernt habe, hatte einmal in einer ihrer wundervollen Podcast-Folge eine wirklich tolle Frage, die zum Nachdenken anregen soll, gestellt: „Möchtest du ein Kind HABEN oder möchtest du Mutter SEIN?“ Naja, in erster Linie möchte ich einfach schwanger sein! Das war mein erster Gedanke als Antwort zu dieser Frage.

Sprich, ich denke viel mehr an eine Schwangerschaft, als wie an das was danach kommt. Wie es sich anfühlt ein Baby im Bauch zu haben, wie es tritt und einen wach hält. Wie dabei die Hormone durchdrehen, man Gelüste bekommt und sich die Schuhe irgendwann nicht mehr alleine zubinden kann. Wie mein Mann mit einem Grinsen im Gesicht meinen kugelrunden Bauch streichelt. Genau das möchte ich. In erster Linie eine Schwangerschaft spüren und erleben. Dadurch ist für mich/uns eine Adoption eben keine Option. Ohne eigene Schwangerschaft möchte ich kein Baby.

Aber nochmal zurück zu der Frage. Nach längerem Überlegen, habe ich bemerkt, das ich in den letzten 2 1/2 Jahren mehr „Ich will ein Baby haben“, als „Ich möchte Mutter sein“ gesagt habe. Ich bin mir nicht sicher ob das gut oder schlecht ist, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das es vielleicht ein Zeichen ist, etwas tiefgründiger über meinen Kinderwunsch nachzudenken.

………

„Warum ich immer mehr den Kinderwunsch in Frage stelle.“

Die, die mir schon länger auf Instagram folgen, wissen das wir seit mehreren Monaten/Zyklen die „sanfte ICSI“ probieren, da die letzte Hormonstimulation der zweiten ICSI keinen Follikel heranreifen ließ.

Mehr zum Thema „sanfte ICSI“ findet ihr in meinem Beitrag unter:
https://www.herz-gegen-verstand.at/2019/07/15/sanfte-icsi/


In dieser Zeit fing ich an, noch intensiver über den Kinderwunsch nachzudenken, denn diese Zeit ohne diese künstlichen Hormone tut mir sehr sehr gut, lässt mich wieder klar denken und ich nehme wieder viel mehr am Leben teil. Das lässt mich aber auch immer mehr den eigenen Kinderwunsch in Frage stellen.

……….

„Meine negativen Gedanken zum Thema Kinderwunsch“

Und somit kommen wir nun auch zu den nicht so tollen, „realistischen“ Dingen. *lach* Ein Kind kostet nicht nur viel Geld, sondern auch sehr oft Nerven. Jetzt denkt ihr bestimmt „Woher will die das wissen, wenn sie ja noch gar kein Kind hat?“ Tja, Freunde, Verwandte, Fernsehen machts möglich. *schmunzel* Sind wir mal ehrlich: Ein Kind zu haben kann unter Umständen manchmal sehr viel Kraft kosten, aber auch vielleicht die Beziehung zum Partner gefährden. Und genau diese Gedanken beschäftigen mich gerade sehr. Ich war am Anfang des Kinderwunsches blind, hatte die rosarote Brille auf, sah nur das Gute, Tolle und Schöne was ein Kind mit sich bringen kann/wird.

Aber manchmal denke ich an banale Sachen wie zB an die Aktivitäten, die man mit einem kleinen Knirps unternehmen würde. Wie zum Beispiel spazieren gehen. Gott, wie ich es hasse. *lach* Einen Weg zu gehen, ohne wirkliches Ziel. Mir ist das schlichtweg zu langweilig. Hoffe allerdings, das ich durch ein Kind genau DARAN Gefallen finden werde. Oder wenn ich an eine vollbesetzte Wiese im Freibad denke, man beachte im superlauten Kinderbereich nähe Kinderbecken usw. Oh mein Gott, da stellt es mir alle Haare zu Berge. *lach* Das sind aber alles Dinge, die man eben mit einem Kind, seinem Kind, macht oder machen sollte, oder?!
Werde ich diese Dinge dann plötzlich gerne tun? Was ist wenn nicht? Was ist, wenn mich das Ganze immer noch nervt und ich eben keinen Gefallen daran finde? Wisst ihr was ich meine? Bekommt man dann plötzlich Lust, all die Dinge gerne zu tun, die man bisher nicht gerne gemacht hat?

Oder die lieben Sorgen. Gott, macht man sich doch mit einem Kind solche Sorgen. Ständig und überall. Und das fängt ja schon in der Schwangerschaft an. Wird es gesund zur Welt kommen? Werde ich eine gute Mutter? Was ist wenn ich die erste Zeit oder generell komplett überfordert bin? Dies und jenes. Und später, da macht man sich Sorgen ob es rechtzeitig nach Hause kommt oder gar schwanger nach Hause kommt. *schmunzel* Und genau solch, zum Teil skurrile, Gedanken beschäftigen mich gerade sehr.

……….

„Macht ein Kind vielleicht sogar unsere Beziehung kaputt?“

Das große Thema Beziehung, das oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, wenn es um das „Wir wollen ein Kind“ geht. Ich habe mit meinem Mann eine wundervolle Beziehung. Wir streiten nie, wenn dann gibt es nur eine kurze knappe Diskussion. Er ist mein bester Freund. Wir verstehen uns so unfassbar gut können über alles reden. Was ist wenn ein Baby unsere Harmonie in der Beziehung kaputt macht? Wenn wir plötzlich ständig nur noch streiten, da wir vielleicht völlig unterschiedliche Ansichten, was die Erziehung betrifft, bekommen?
Das macht mir im Moment Angst. Denn noch vor einem Jahr hatte ich genau das Gegenteil im Kopf. Ich dachte „Ach wie schön das wäre, ein Kind würde unsere Beziehung total bereichern. Wir sind so ein gutes Team, da kann das ja nur funktionieren!“ Aber ich bekomme Zweifel. Wir haben ein tolles Leben ohne Sorgen. Wir sind frei. Warum daran was ändern wollen? Nur weil es die Gesellschaft so vorsieht?

Versteht mich nicht falsch. Nach wie vor besteht der Wunsch, aber nicht mehr ganz so extrem wie noch vor einem Jahr. Und JA ich habe immer noch den Gedanken, das wir als gutes Team weiter funktionieren können. Aber es gibt eben auch diese negativen Gedanken. Denen möchte ich auch meine Aufmerksamkeit schenken und Platz bieten. Es ist einfach mein Kampfgeist, der eben nicht mehr ganz so stark ist. Die Hoffnung ist zurückgegangen, da schlichtweg meine Chancen schwinden. Aber ich muss auch sagen, das dieses „in Frage stellen“ auch irgendwie gut tut, denn so tut es nicht mehr weh, wenn wieder in einem Zyklus kein Follikel herangereift oder frühzeitig gesprungen ist. Ich sehe das Ganze nun etwas neutraler. Das war auch mein Ziel. Es zu sehen wie es ist. Ein Versuch ist ein Versuch, nicht mehr und nicht weniger. Und entweder werde ich noch mit den restlichen drei Versuchen, die wir zu 70% bezahlt bekommen, schwanger, oder wir werden vom Kinderwunsch endgültig Abschied nehmen oder nehmen müssen.

……….

„In diesem Sinne…“

Seid nicht zu verbissen. Wir bekommen kein Päckchen, das wir nicht tragen können. 😉 Lasst auch die schlechten Gedanken und Gefühle zu. Und durch das viele Nachdenken über das, warum eigentlich dieser Kinderwunsch besteht, schätze ich wieder viel mehr das, was mein Mann und ich derzeit haben. Eine super funktionierende, schöne, geborgene Beziehung, die mich nach wie vor sehr sehr glücklich macht. 🙂 Und ich denke, dass das auch ohne Kind so bleiben wird.

Eure Naddy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.